Samstag 21 Oktober 2017

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"Den Sieg weggeschmissen"

Nach drei Siegen bedeutete das 29:29 gegen die TSG Reutlingen das erste Unentschieden der HSG Böblingen/Sindelfingen in der Handball-Landesliga der Männer. Trotzdem übernahmen sie damit die Tabellenspitze.

Stefan Trunk kommt angeflogen: Fünf der 29 Tore gehen auf sein Konto, in den letzten Minuten gab's aber auch für ihn kein Vorbeikommen mehr an Reutlingens Keeper Rok Selakovic Foto: TBaur/Eibner

Artikel vom 08. Oktober 2017 - 15:12

Von Michael Stierle

BÖBLINGEN. "Diese 7:1 Punkte sind kein Grund zur Euphorie", mahnte Trainer Volker Blumenschein, der liebend gerne auch das vierte Spiel der Saison in der vollbesetzten Murkenbachhalle gewonnen hätte. Seine Unzufriedenheit hinterher war nicht zu übersehen. "Wir haben den Sieg in den letzten Minuten weggeschmissen", fand er deutliche Worte. "Wenn man bei elf Angriffen nur noch ein Tor erzielt, hat man nicht mehr verdient. Das lag ganz klar an unserem Abschlussverhalten."

Kämpferisch hatte er seiner Mannschaft einmal mehr überhaupt nichts vorzuwerfen ("sie hat wieder alles rausgehauen"), aber in der Schlussphase hätte er sich einen Spieler gewünscht, der mit ein, zwei klaren Aktionen den Sack zugemacht hätte. Markus Schwab zum 28:25 (49.) und Marc Petri zum 29:26 (53.) hatten die 3-Tore-Führung verteidigt, danach ging nichts mehr. "Wir schießen den gegnerischen Torhüter zum Weltmeister", haderte der HSG-Coach angesichts einer vergebenen Großchance nach der anderen. Dabei konnte Reutlingens Nummer zwölf zwischen den Pfosten, Rok Selakovic, einer von vielen Neuzugängen, wegen einer Hüftprellung kaum laufen, ehe er sich plötzlich doch noch putzmunter und spektakulär in jeden Schuss hineinwarf.

"Da ist bestimmt das Dreifache an Geld im Spiel als bei uns", verglich Volker Blumenschein die Aufstellungen. "Die Reutlinger haben eine fast komplett neue Mannschaft zusammengekauft, eine richtig ausgebuffte Truppe. Für Landesliga-Verhältnisse ist das außergewöhnlich." Zwar sahen bei seiner Mannschaft die einstudierten Abläufe viel besser aus, auch mehr Tempo war im Spiel, aber die individuelle Klasse beim Gegner war ebenfalls nicht zu übersehen. Deshalb blieb die Partie von Beginn an eine enge Kiste. Reutlingen kam nicht nur aus dem Rückraum zu Toren, sondern vor allem auch über ihren Linksaußen, zudem hatte Keeper Daniel Meyer ausnahmsweise nicht seinen allerbesten Tag erwischt. 16 Gegentore in einer Halbzeit sind für HSG-Verhältnisse eine ganze Menge. Seine Vorderleute hatten sich nach dem 4:2 und 5:3 beim 16:14 erstmals wieder auf zwei Tore abgesetzt, verspielten die Führung aber bis zur Pause.

Stark bis dahin: Frederik Todt, der die langen Kerls in der Reutlinger Abwehr immer wieder auswackelte, nach dem Wechsel aber seinen dritten Siebenmeter in den zweiten Stock donnerte und damit die Torflaute der Gastgeber einleitete.

"Katastrophale Abschlüsse" in den letzten elf Minuten und nur ein Tor

Bis zum 29:26 war die Welt dennoch in Ordnung, dann folgten die "katastrophalen Abschlüsse", wie Blumenschein ohne zu beschönigen feststellte. Reutlingen holte auf, schaffte in der 59. Minute den Ausgleich, dann verlor Marc Petri noch einmal den Ball, doch der stark haltende Patrick Scheer parierte den letzten Wurf der Gäste. "Da mussten wir sogar noch froh sein über das Unentschieden", war Blumenschein sauer. "Eigentlich müssen wir so ein Spiel doch 32:28 gewinnen." So aber musste er sich zusammen mit seinen Spielern bedröppelt anschauen, wie die Reutlinger das Unentschieden lautstark feierten, fast wie einen eigenen Sieg.

"Wir sind definitiv noch keine Spitzenmannschaft", wiegelte der HSG-Trainer ab. Und mit nachdenklicher Miene: "Man darf nicht vergessen, dass bis auf Urs Bonhage alle unsere Spieler höchstens die Landes- oder Bezirksliga kennen. Wir haben eine gute Mannschaft, sind aber alles keine Zauberer und müssen immer 100 Prozent abrufen, um erfolgreich zu sein." Erkenntnis daraus für ihn: Ein Schuss Qualität fehlt noch, und die wollen wir uns erarbeiten."

Dennoch, zumindest eine Woche lang schauen sich die "BöSis" die Tabelle von ganz oben an.

HSG Böblingen/Sindelfingen: Meyer, Scheer; Heinkele (1), Petri (4/davon 2 Siebenmeter), Trunk (5), Wild (1), Bonhage (5), Fecker (1), Raff (3), Todt (5/2), A. Schwab, Müller (2), M. Schwab (2).

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